Tagestour
mit MZ ETZ 251/301 über den Kyffhäuser zum Harz und zurück
7:00 aufstehen, Frühstück,
kurz nach 8:00 Start in Ichtershausen bei Arnstadt. Über die Dörfer Richtung
Norden. Alles liegt noch in den Federn, kein Mensch auf den eher schmalen
Straßen. Herrlich.
Weniger schön – verschätzt,
Sprit alle, Reserve. Hab´ nur einen Liter. Also Schleichfahrt. Da, endlich, das
begehrte Erdöldestillat.
Weiter geht’s. Vor mir die
herrliche Landschaft des Thüringer Beckens – hab´ in Erdkunde manchmal doch
aufgepasst – hinter mir leicht bläulicher Ölduft. Die MZ ist eben ein kleiner
2-Takt-Stinker. Was soll ´s, ich rieche von vorn nur frische Landluft.
Auf dem Weg durch die
Goldene Aue dann ein kurzer Stopp. Da musste ich einfach mal die Kamera
rausholen.


Weiter. Immer noch kaum
Betrieb auf den Straßen. Bad Frankenhausen. Das „Elefantenklo“ sieht man schon
von Weitem. Ich lass` es liegen, obwohl ich noch nie da war. Ein Grund, die
Strecke noch mal zu fahren.
Ortsausgang, jetzt geht’s
hoch zum Kyffhäuser. Bin zwar nicht der Kurvenheizer, aber so rechts – links
macht schon Spaß. Von der Südseite hoch ist es auch gemütlich. Unterwegs kurze
Pause – menschliche Bedürfnisse drängen. Für nichtmotorisierte ist es hier auch
wunderschön.

Ich bin oben –
Bikerparkplatz – alles noch fast leer. Erst mal Wasser und Cappuccino. Im
Schatten. Die Sonne zeigt, was sie kann.
Klamotten am Motorrad
verstaut und die Beine bewegt. Tut gut, der Aufstieg zum Denkmal.

Unten hält der alte
Barbarossa immer noch Wacht.

Der Aufstieg zum Turm geht
doch ganz schön in die Beine. Vor mir ein Biker der Joghurtbecherfraktion in
Ledervollmontur. Herzinfarktkandidaten sehen so aus wie er. Total fertig. Gut,
dass meine Jacke und der andere Klimbim unten geblieben sind.
Die Aussicht vom Turm leider
nicht so toll. Es ist recht diesig, Garant für gutes Wetter. Fotos lohnen
nicht.
Abstieg.
Aber jetzt ein Fotomotiv.
Finde ich jedenfalls.

Unten hat es sich gefüllt.
Der Hof steht voller Motorräder, durstige Ledermänner und –frauen unter den
Sonnenschirmen. Ich steige wieder auf. Dann die Serpentinen Richtung Kelbra
hinunter. Mir entgegen kommen einige PS-Heizer, die den Angststreifen ihres
Hinterreifens minimieren. Auf der Straße etliche schwarze Striche Richtung
Leitplanken. Hoffentlich ist es gut gegangen. Ich lasse es eher gemütlich
angehen. Bergab machen Kurven sowieso nur halb so viel Spaß.
Weiter geht es in Richtung
Harz. Den Stausee Kelbra muss ich ein anderes Mal besuchen, die Zeit vergeht
und ich habe noch ein gutes Stück vor mir.
Auf den kleinen Straßen
kommen mir jetzt immer mehr Motorräder entgegen. Linke Hand zum Gruß. Ich
gehöre dazu – egal, ob 6 Zylinder (Anspielung auf die Honda Goldwing – ein
Motorrad im Format eines Gelenkbusses) oder 6 Volt (Elektrik noch schwächer als
der Motor, Leuchtkraft des Scheinwerfers entspricht der eines Teelichtes) – so
hat es jedenfalls mal ein Bikerpfarrer bei seiner Segnung verkündet. Und so
fühl` ich mich auch. Außerdem habe ich 12 Volt und fast 25 PS! Geiles Gefühl –
Sonne, Wind, Freiheit – Moment, was ist das? Komisches Geräusch! Ahh, kommt
nicht von der MZ. Die schnurrt. Nein, es knurrt. Mein Magen. Da, die
Gelegenheit zum Pausemachen ist schon da.

Und schon hat es mich wieder
magisch an `s Wasser gezogen, so als Hobbyagler. Schöne Gegend. Ist irgendeine
kleine Talsperre in der Gegend um Neustadt/Harz. Gleich noch ein paar Bilder
geschossen. Traumhafte Natur. Mitten in Deutschland. Man soll ´s nicht glauben.




So, gestärkt geht’s weiter.
Super Straßen. Ich fahre über Ilfeld, Rothesütte, Benneckenstein Richtung
Elbingerode. Traumhafte Strecke, besonders zwischen Königshütte und
Elbingerode. Weiter nach Rübeland, wo die berühmten Höhlen sind. Da, wo es
früher Bären gab. Jetzt gibt’s nur noch Touristen. Weiter hoch zur Staumauer
der Rappbodetalsperre. Schöner Blick.

Die andere Seite der Mauer.

Paar Meter weiter ein
Parkplatz. Bikertreff. Mache einen kurzen Bummel, schau mir die Maschinen an.
Da, eine MZ! Uralte ES, könnte eine 175 oder 250-0 sein. Reichlich umgebaut,
mit 12 Volt Wartburg-Lichtmaschine und 4 Zusatzscheinwerfern. Die Hälfte der
ohnehin knappen Motorleistung geht drauf. Aber hell ist es! Kurzer Plausch mit
dem Emmentreiber. Startprobleme. Die Elektrik! Kein Problem, Reparatur in
Formel-1-Geschwindigkeit. Dann nur noch die ausgehängte Ständerfeder wieder
eingehängt, die lose Fußraste wieder festgeschraubt und schon kann es wieder
los gehen. Bei einer BMW wäre jetzt der Servicewagen von Nöten gewesen!
Im Tunnel, der zur Talsperre
führt, versuchen einige Vertreter der Reiskocherfraktion, den Drehzahlmesser
ihrer Maschinen zum Anschlag zu bringen. Der Drehzahlbegrenzer ihrer Motoren
verhindert das zum Glück. Einer malt mit qualmendem Reifen einen dicken
schwarzen Strich auf den Asphalt. Zuschauer. Einige begeistert, viele mit
Kopfschütteln.
Ich halte noch einen kleinen
Schwatz mit paar Leuten, die Besitzerin einer schönen und recht neuen „Sachs“
ist darunter. Erfahre, dass Sachs auch nicht mehr existiert, MZ soll ja auch
sterben. Allgemeine Trauer und Unverständnis. Schade um solche deutsche
Traditionsmarken.
Ich setze mich wieder in den
Sattel und fahre den Weg, den mir ein freundlicher 125er
Motorradwiedereinsteiger genannt hat. Zum „Blauen See“ Der ist zwar heute grün
– wird aber sicher am Licht liegen. Das Wasser sieht zumindest recht sauber
aus. Traumhaft, wie in der Karibik. Und wieder mitten in Deutschland.



Ich lass´ mir das nicht
nehmen und gehe eine Runde schwimmen. Herrlich, die Abkühlung. Handtuch und
Badehose habe ich vorsorglich eingepackt.
Langsam werden die Schatten
länger. Ich muss an die Rückfahrt denken. Hab` ja bisher ca. 200 km auf die Uhr
gedreht. Außerdem habe ich mir fest vorgenommen, die berühmte Rindsroulade der
Gaststätte „Am Felsen“ in Königshütte mir zu gönnen. Die kenne ich noch von
meiner Montagezeit, habe dort eine Telefonanlage in einem Altenheim eingebaut.
Also nichts wie hin. Alles noch beim Alten. Gaststätte gibt’s noch, Roulade
auch. Superlecker. Nobelpreisverdächtig. Riesen Lob an die Wirtin und das
Versprechen, wieder zu kommen.
Frisch gestärkt mache ich
mich auf die Rückreise. Noch mal ein kurzer Blick über `s Land.

Der Tag neigt sich dem Ende.
Es wird langsam frisch. Ich halte noch mal an und tausche die nun doch etwas
luftigen Jeans gegen die wärmere und auch sicherere Motorradhose. Die
Umkleidekabine wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Ich nehme jetzt den kurzen
Weg der B4. Tankstopp in Nordhausen, weiter über Sondershausen, Greußen und
Erfurt nach Hause. Es ist dunkel geworden, 22:00, ich bin gut wieder angekommen,
die MZ ist prima gelaufen, ein super Tag. Für die nächste Gelegenheit habe ich
schon ein neues Ziel im Hinterkopf. Auch da war ich mal vor langer Zeit. Die
Tour soll durch den Thüringer Wald über Coburg in das malerische Städtchen
Sesslach führen. Mal sehen, wann es klappt.
So, das war mein
Reisebericht.